Zur 61. Biennale di Venezia präsentiert die Fondazione Giorgio Cini, unterstützt von der Galerie Thaddaeus Ropac, ein spätes Meisterwerk Georg Baselitz: Eroi d’Oro –“Goldene Helden”. Der Künstler bündelt über 60 Jahre Malerei in neuen Goldgrund-Gemälden – überlebensgroße Selbstporträts und seine Frau Elke schweben fragmentarisch auf flimmerndem Gold, wie Ikonen der nördlichen Renaissance.

Goldgrund als Abschluss: Baselitz’ Summe
„Ich habe unglaublich viele Bilder gemalt. Nun, am Ende meiner Malerei, ziehe ich Bilanz“, sagt Baselitz. Die goldenen Flächen – ohne Illusion von Tiefe – absorbieren Schatten und Raum, tragen nur feine Linienzeichnungen von entkleideten Körpern. „Gold verschlingt Räumlichkeit. Darauf nur Zeichnung, wie auf Papier, so fein wie möglich.“ Die ausgemergelten Figuren wirken zerbrechlich, vereinsamt – doch das Gold verleiht ihnen erhabene Würde, in Anklang an die Helden-Serie von 1965/66.
Die goldenen Flächen der Gemälde schaffen bewusste Flachheit ohne Tiefenillusion – ein Echo die an mittelalterliche Ikonen oder die vergoldeten Hintergründe der Werke des nordischen Renaissance-Malers Stefan Lochner erinnert. Baselitz’ Figuren, präzise in scharfer Linienzeichnung gemeißelt, schweben entblößt darüber: nackte Körper, die leicht wie Zeichnungen auf Goldgrund wirken.
Mit tintenleichter, verdünnter schwarzer Farbe gemalt, hallen die spirituellen Porträts Hokusais Porträtkunst und japanischer Kalligraphie nach. Zähe, opulente Pinselstriche lagern sich auf den Figuren, weben Farben zu marmorierten, farbigen Reliefs.
Gold durchzieht Baselitz‘ Werk stets mit vielschichtiger Symbolik – doch erst hier materialisiert sich eine direkte Ähnlichkeit mit Ikonenmalerei.

Baselitz in Venedig: Ikone trifft Biennale
Die Schau, kuratiert von Luca Massimo Barbero, dem Direktor des Instituts für Kunstgeschichte der Fondazione Giorgio Cini, verbindet Baselitz’ radikales Umstülpen mit sakraler Goldmystik. Vom ostdeutschen Exilanten zum globalen Provokateur: Nach Florenz 1965 und Skulpturenfokus im Museo Novecento 2026 kehrt er biennalenaffin nach Venedig zurück – ein Kontrast zur Etrusker-Schau im Dogenpalast.
Der Unkonventionelle: Baselitz’ Weg zur Weltikone
Georg Baselitz – 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz in Sachsen geboren entfesselt als Neo-Expressionismus-Rebell aus der DDR eine künstlerische Revolte. Geprägt von karger Jugend und der Berliner Akademie , löst sein Bild „Die große Nacht im Eimer“ ,1963 einen riesigen Skandal und die Beschlagnahme aus. In Florenz 1965 gebären die „Helden“ zerlumpte Nachkriegsgeister – Allegorien deutschen Traumas.

Kunstmanagement-Perspektive: Baselitz‘ strategische Marksteine
1969 etabliert Baselitz mit der kopfstehenden Malerei „Der Wald auf dem Kopf“ einen radikalen Paradigmenwechsel: Die Subversion narrativer Figuration zugunsten einer autonomen, expressiven Mal-Sprache schafft internationalen Durchbruch. Die 1970er entwickeln intime Straßenbild-Serien mit Elke als konstanter Bildsprach-Referenz; 1980 provoziert das Skulpturen-Debüt im Venedig-Pavillon „Modell für eine Skulptur“ als marktstrategischer Schockmoment.
Seit 1980 prägt Baselitz die Welt: Malerei contra Konzeptkunst, Kunstgeschichte als ewiger Sparringspartner. Vom Ost-Exilanten zum Imperator – Florenz-Atelier bis 1981, Schloss Derneburg, Biennale-Stationen. „Eroi d’Oro 2026 “ vollendet diese epische Bahn mit goldener, einsamer Härte.

Auf den Punkt gebracht
Goldene Helden – Baselitz‘ finale Bilanz: Überlebensgroße Nackte wie das „Selbstporträt“ und „Elke“ schweben ikonenhaft auf flimmerndem Goldgrund. Rückgriff auf 1965er Helden, Biennale-Positionierung. Späte Härte trifft sakrale Renaissance!
Ort: Fondazione Giorgio Cini, Venedig
Ausstellungsdauer: 5. Mai bis 27. September 2026
