Peggy ´s Londoner Vermächtnis in Venedig

Die Peggy Guggenheim Collection holt 2026 die Avantgarde aus Peggy´s legendärer Londoner Galerie Guggenheim Jeune nach Venedig. Es folgen Glaskunstwerke von Picasso bis Fontana aus Muranos Fucina degli Angeli.

Mäzenin der Avantgarde, Patin von Murano-Kunst

Das Ausstellungsprogramm 2026 der Peggy Guggenheim Collection liest sich wie ein Schlüsselroman der Moderne: Zwei große Ausstellungen widmen sich jenen Momenten, in denen Peggy Guggenheim zur prägenden Figur der Kunst des 20. Jahrhunderts wurde. Im Frühjahr blickt Venedig nach London – auf die legendäre Galerie Guggenheim Jeune –, im Herbst richtet sich der Fokus auf Murano und die visionäre Fucina degli Angeli, wo Glas zur künstlerischen Sprache der Moderne wurde. Zwei Höhepunkte, die das Mäzenatentum Guggenheims neu lesen – im Dialog mit der permanenten Sammlung am Canal Grande.

London 1938–1939: Start mit Jean Cocteau und einem Skandal

Mit der Schließung der Lucio-Fontana-Keramikschau am 2. März öffnet sich ab 25. April ein Panorama, das in dieser musealen Tiefe erstmals zu sehen ist. Kuratiert von Gražina Subelytė und Simon Grant, rekonstruiert die Ausstellung die kurze, aber folgenreiche Geschichte der Londoner Galerie Guggenheim Jeune (1938–1939).

In kaum anderthalb Jahren wurde der Raum zum Epizentrum der europäischen Avantgarde: Hier fand Vasily Kandinsky seine erste Londoner Einzelausstellung, Jean Cocteau erhielt eine monografische Schau, das Medium Collage feierte seine erste britische Gruppenausstellung – und sorgte für einen handfesten Skandal. Cocteaus allegorische Bild „La peur donnant des ailes au courage“ („Die Furcht, die dem Mut Flügel verleiht“) zeigt nackte Figuren mit deutlicher Darstellung von Schamhaar, darunter auch ein Porträt des Schauspielers Jean Marais, Cocteaus Geliebtem – ein Motiv, das für die damals konservative britische Öffentlichkeit als obszön galt. Britische Zollbehörden erlaubten die Ansicht des Bildes nur in einem Büro im hinteren Teil der Galerie.

Von Kandinsky bis Duchamp und Dalí

Rund hundert Schlüsselwerke – von Eileen Agar, Salvador Dalí, Barbara Hepworth, Piet Mondrian, Henry Moore bis Sophie Taeuber-Arp – treten in einen dichten Dialog mit Archivalien, Briefen und Dokumenten. Sichtbar wird ein intellektuelles Netzwerk, das von Marcel Duchamp über Mary Reynolds bis zu Samuel Beckett reicht.

London erscheint hier nicht nur als Station, sondern als Initiation: als jener Ort, an dem Peggy Guggenheim ihre Sammleridentität formte – kurz vor dem Zerfall Europas im Zweiten Weltkrieg. Nach Venedig wandert die Schau im Herbst 2026 an die Royal Academy of Arts, 2027 folgt das Solomon R. Guggenheim Museum.

Fucina degli Angeli: Murano und die Moderne

Der zweite Höhepunkt des Jahres führt zurück nach Venedig – genauer: nach Murano. Die von Cristina Beltrami kuratierte Ausstellung widmet sich der Fucina degli Angeli, jenem außergewöhnlichen Atelier, das Egidio Costantini in den 1950er-Jahren gründete.Über hundert Glasarbeiten, Zeichnungen und historische Dokumente erzählen von einer beispiellosen Zusammenarbeit zwischen venezianischem Handwerk und internationaler Avantgarde.

Glaskunst von Picasso bis Fontana

Künstler wie George Braque, Alexander Calder, Lucio Fontana, Fernand Léger und Pablo Picasso ließen ihre Bildwelten in Glas übersetzen – oft erstmals und mit überraschender Radikalität. Peggy Guggenheim war dabei weit mehr als eine Beobachterin. Als „Patin“ der Fucina öffnete sie Türen, vermittelte Kontakte in die USA, unterstützte Costantini in entscheidenden Momenten und trug maßgeblich zur internationalen Anerkennung dieses Projekts bei. Die Ausstellung konfrontiert die Glasobjekte mit Gemälden und Skulpturen der beteiligten Künstler – und macht so sichtbar, wie Glas im 20. Jahrhundert vom Kunsthandwerk zur autonomen künstlerischen Ausdrucksform wurde.

Anfänge der einflussreichsten Sammlerin der Moderne

Mit diesen beiden Ausstellungen gelingt der Peggy Guggenheim Collection 2026 ein kunsthistorisch wie kulturpolitisch präziser Doppelblick: auf die Geburtsstunde einer der einflussreichsten Sammlerinnen der Moderne – und auf ihre nachhaltige Wirkung als Förderin experimenteller Kunstformen. London und Murano, Avantgarde und Handwerk, Netzwerk und Vision: selten waren die Linien von Peggy Guggenheims Vermächtnis so klar und zugleich so sinnlich erfahrbar wie in diesem Programm.

Die Ausstellungen 2026

Peggy Guggenheim a Londra. Nascita di una collezionista

Datum: 25. April – 19. Oktober 2026

Inhalt: Die große Schau zur Londoner Galerie Guggenheim Jeune und dem Frühwerk der Sammlerin mit rund 100 Schlüsselwerken und Archivmaterial.

Fucina degli Angeli. Peggy Guggenheim e il vetro artistico del Novecento

  • Datum: 14. November 2026 – 29. März 2027
  • Inhalt: Visionäres Kapitel der Glaskunst Murano mit über 100 Glasobjekten, Zeichnungen und Dokumenten sowie Arbeiten von Léger, Picasso, Calder u. v. m.

Öffnungszeiten der Peggy Guggenheim Collection

Die Peggy Guggenheim Collection ist im Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande beheimatet

  • Täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
  • Geschlossen: jeden Dienstag,

Tickets & Buchung

Für den Besuch des Museums – inklusive der temporären Ausstellungen 2026 – empfiehlt es sich aufgrund der begrenzten Kapazitäten und der hohen Nachfrage, Tickets online im Voraus zu buchen. Peggy Guggenheim Collection