Das Teatro La Fenice präsentiert die Saison 2026/27: Fedora, Jenůfa, Carmen, Norma, zwei venezianische Opernpremieren, Wiener Staatsballett und das Neujahrskonzert mit Gianandrea Noseda. Die Highlights und Termine in Venedig.
10 Opern, neue Produktionen, klangvolle Stars
Zehn Opern, fünf Tanzproduktionen und eine Sinfoniesaison zwischen großen Repertoirewerken und bemerkenswerten Wiederentdeckungen: Das Teatro La Fenice setzt 2026/27 statt auf Verdiauf Komponisten wie Giordano, Janáček, Smareglia, Händel, Bellini und Cilea. Mit Fedora, Jenůfa, den erstmals in Venedig gespielten Nozze istriane und Händels Partenope besitzt die Saison ein ausgeprägtes Profil. Dazu kommen Stars wie Maria Agresta, Gregory Kunde, Riccardo Frizza, Gianandrea Noseda und das Wiener Staatsballett.

Concerto di Capodanno 2027 – Gianandrea Noseda übernimmt
29., 30. und 31. Dezember 2026 sowie 1. Januar 2027, Teatro La Fenice
Zu den international sichtbarsten Terminen des Hauses gehört traditionell das Concerto di Capodanno. Für den Jahreswechsel 2026/27 steht mit Gianandrea Noseda einer der international profiliertesten italienischen Dirigenten am Pult von Orchester und Chor der Fenice; Chorleiter ist Alfonso Caiani. Konzerte gibt es am 29. Dezember um 20 Uhr, am 30. Dezember um 17 Uhr, am 31. Dezember um 16 Uhr und am 1. Januar 2027 um 11.15 Uhr.

Vor Saisonstart ein intensiver Herbst
Wer im September 2026 nach Venedig kommt, muss auf die neue Saison nicht warten, um die Fenice in Hochform zu erleben. Die letzten Wochen der Saison 2025/26 bilden vielmehr eine Art Prolog. Vom 18. bis 26. September mit Ruggero Leoncavallos Pagliacci: Daniele Callegari dirigiert, Andrea Bernard inszeniert, und mit Gregory Kunde als Canio, Selene Zanetti als Nedda und Dimitri Platanias als Tonio ist die Produktion prominent besetzt.
Auch die Sinfoniesaison 2025/26 reicht weit in den Herbst hinein. Daniele Callegari dirigiert am 25. und 27. September Bizet und Tschaikowsky; am 1. Oktober folgt im Teatro Malibran Neil Thomson mit Rimsky-Korsakows Capriccio spagnolo, Joaquín Rodrigos Concierto de Aranjuez mit Gitarrist Marco Tamayo und Elgars Enigma Variations. Den Abschluss bilden am 30. und 31. Oktober Carl Orffs Carmina Burana in der Fassung für Solisten, Chor, zwei Klaviere und Schlagzeug unter Alfonso Caiani.
Fedora – Giordanos Verismo eröffnet die Saison
13.–22. November 2026, Teatro La Fenice
Umberto Giordanos Fedora eröffnet die Saison mit einem starken historischen Akzent: Das Werk wurde an der Fenice zuletzt 1968 gespielt. Der 1898 in Mailand mit Enrico Caruso uraufgeführte Dreiakter gehört neben Andrea Chénier zu Giordanos wichtigsten Werken und verbindet die unmittelbare Emotionalität des Verismo mit einem kosmopolitischen Fin-de-Siècle-Milieu. Die Fenice zeigt eine Neuproduktion von Hugo de Ana, der auch Bühne und Kostüme verantwortet. Donato Renzetti dirigiert; Maria Agresta gibt ihr Rollendebüt als Fedora, Vincenzo Costanzo jenes als Loris Ipanoff.

Madama Butterfly – Mariko Moris Bilderwelt kehrt zurück
30. Januar–9. Februar 2027, Teatro La Fenice
Bei Puccinis Madama Butterfly greift die Fenice auf eine ihrer ästhetisch markantesten Produktionen zurück. Àlex Rigolas Inszenierung mit Bühnenbild und Kostümen der japanischen Künstlerin Mariko Mori entstand 2013 als Special Project der 55. Biennale Arte. Gerade die Verbindung von Oper und zeitgenössischer bildender Kunst macht diese Wiederaufnahme auch für Venedigs Kunstpublikum interessant. Daniele Callegari dirigiert, Maria José Siri singt Cio-Cio-San; Joseph Dahdah debütiert als Pinkerton. Neun Vorstellungen sind geplant.
Hänsel und Gretel – Humperdinck nach mehr als 30 Jahren
19.–27. Februar 2027, Teatro Malibran
Mehr als drei Jahrzehnte war Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel von den venezianischen Bühnen verschwunden. Dabei ist die 1893 in Weimar uraufgeführte Märchenoper weit mehr als Kinderoper: Hinter ihrer unmittelbaren Melodik steht eine außerordentlich raffinierte, von Wagner beeinflusste Orchesterpartitur. Cecilia Ligorio inszeniert die neue Fenice-Produktion, der chinesische Dirigent Xu Zhong übernimmt die musikalische Leitung. Die fünf Vorstellungen finden bewusst im intimeren Teatro Malibran statt.

Jenůfa – ein historisches Comeback nach 85 Jahren
12.–20. März 2027, Teatro La Fenice
Einer der kulturhistorisch interessantesten Termine der Saison: Leoš Janáčeks Jenůfa kehrt nach mehr als 85 Jahren an die Fenice zurück. Als das Werk hier im März 1941 gespielt wurde, handelte es sich um die italienische Erstaufführung. Janáčeks schonungsloses Drama um gesellschaftlichen Druck, Kindsmord, Schuld und Vergebung gehört inzwischen zu den Schlüsselwerken der Oper des 20. Jahrhunderts. Die Fenice übernimmt David Aldens Produktion der English National Opera; Andriy Yurkevych dirigiert, unter den Solisten sind Ingela Brimberg und Joyce El-Khoury.

Eine Pariser Carmen – zurück zu den Bildern von 1875
23. April–4. Mai 2027, Teatro La Fenice
Bei Bizets Carmen entscheidet sich die Fenice für ein ungewöhnliches historisches Experiment. Die Produktion rekonstruiert die Ästhetik der originalen Inszenierung von 1875, die später auch die frühe venezianische Rezeption des Werkes prägte. Regie führt Romain Gilbert; beteiligt sind unter anderem die Opéra Royal – Château de Versailles und der venezianische Palazzetto Bru Zane. John Axelrod dirigiert, Anna Goryachova singt Carmen. Das Projekt verspricht damit weniger Regietheater als eine reflektierte Reise in die Aufführungsgeschichte eines der meistgespielten Werke überhaupt.

Il barbiere di Siviglia – Rossinis venezianischer Publikumsliebling
25. Mai–1. Juni 2027, Teatro La Fenice
Rossinis Barbiere bildet den bewusst populären Gegenpol zu den Raritäten der Saison. Wiederaufgenommen wird die bewährte Fenice-Produktion von Bepi Morassi mit Bühne und Kostümen von Lauro Crisman. Salvatore Percacciolo dirigiert; Antonino Siragusa, Bruno Taddia und Adriano Gramigni übernehmen zentrale Partien. Sieben Vorstellungen sind vorgesehen.

Nozze istriane – eine venezianische Erstaufführung mit Adriabezug
18.–27. Juni 2027, Teatro Malibran
Für artbeat.news gehört dies zu den spannendsten Entdeckungen der Saison: Antonio Smareglias Nozze istriane wurden noch nie an der Fenice gespielt. Der aus Pola/Pula stammende Komponist schuf mit dem 1895 in Triest uraufgeführten Werk ein eigenständiges Musikdrama zwischen Verismo und mitteleuropäischer Klangkultur. Luigi Illicas Libretto basiert auf einer Geschichte aus Dignano bei Pola – Liebe, Eifersucht und Tod vor istrischem Hintergrund. Francesco Cilluffo dirigiert die Neuproduktion von Renato Bonajuto; Chiara Isotton, Mikheil Sheshaberidze und Franco Vassallo führen das Ensemble an.
Partenope – Händel kommt erstmals mit dieser Oper nach Venedig
2.–12. September 2027, Teatro Malibran
Auch Händels Partenope ist eine venezianische Erstaufführung. Die 1730 am Londoner King’s Theatre uraufgeführte Oper nimmt innerhalb von Händels Schaffen eine Sonderstellung ein: Sie verwendet zwar die Formen der Opera seria, unterläuft deren Konventionen aber mit Ironie, erotischen Verwicklungen und beinahe komödiantischer Leichtigkeit. Jacopo Spirei inszeniert die neue Produktion, Giulio Prandi dirigiert. Dass dieses barocke Vexierspiel im Teatro Malibran stattfindet, dürfte seiner kammermusikalischen Beweglichkeit entgegenkommen.
Norma – Bellinis Belcanto-Gipfel
24. September–3. Oktober 2027, Teatro La Fenice
Mit Norma kehrt die Saison zum Kern des italienischen Belcanto zurück. Bellinis 1831 uraufgeführte Oper war bereits im Dezember 1832 an der Fenice zu sehen. Für 2027 entsteht eine Neuproduktion in Koproduktion mit dem Nationaltheater Georgiens. Maria Todaro führt Regie, Ramon Tebar dirigiert; Marigona Qerkezi übernimmt die Titelrolle. Neun Aufführungen machen Norma zu einem der großen Publikumsschwerpunkte des Herbstes.

Adriana Lecouvreur – Cilea schließt den Kreis
22.–30. Oktober 2027, Teatro La Fenice
Den Schlusspunkt setzt Francesco Cileas Adriana Lecouvreur, die seit mehr als 30 Jahren nicht mehr an der Fenice gespielt wurde. Dramaturgisch entsteht damit ein schöner Bogen zurück zum Saisonauftakt: Sowohl Fedora als auch Adriana Lecouvreur basieren auf Libretti von Arturo Colautti, und bei beiden Uraufführungen sang Enrico Caruso. Die Produktion stammt vom Teatro Lirico di Cagliari und ABAO Bilbao, Regie führt Mario Pontiggia. Riccardo Frizza dirigiert; Saioa Hernández, Jamez McCorkle und Carlos Álvarez gehören zu den Hauptinterpreten.

Die Sinfoniesaison: von Herreweghe bis Koopman
Die Sinfoniesaison 2026/27 beginnt am 28. und 29. November mit Riccardo Frizza. Es folgen Alevtina Ioffe, Stanislav Kochanovsky und – nach dem Neujahrskonzert – im Februar Philippe Herreweghe mit dem Orchestre des Champs-Élysées. Im Frühjahr reicht die Dirigentenliste von Andriy Yurkevych und Dennis Russell Davies über Jukka-Pekka Saraste und Robert Treviño bis zu Emmanuel Tjeknavorian und Finnegan Downie Dear. Am 10. Juli 2027 spielt Fenice unter freiem Himmel auf der Piazza San Marco.

Ballett 2026/27: Wiener Staatsballett als Höhepunkt
Die Tanzsaison beginnt am 12. und 13. Dezember 2026 mit Les Étoiles, dem internationalen Galaformat mit Spitzenkräften des klassischen Balletts. Im Januar folgt ein Ereignis mit besonderer theaterhistorischer Dimension: Das Béjart Ballet Lausanne gastiert vom 13. bis 17. Januar 2027. Die amerikanische Parsons Dance Company bringt vom 4. bis 6. März zeitgenössischen amerikanischen Tanz ins Teatro Malibran. Im Mai folgt dagegen ein Klassiker in prominenter Besetzung: Das von Alessandra Ferri geleitete Wiener Staatsballett gastiert vom 12. bis 16. Mai mit Giselle an der Fenice.
Kartenbestellungen: https://www.teatrolafenice.it/
