Jenny Saville – Eine Premiere im Herzen der Serenissima

Vom 28. März bis zum 22. November 2026 präsentiert die Internationale Galerie für Moderne Kunst im Palazzo Ca’ Pesaro die erste große Einzelausstellung der bedeutendsten britischen Malerin in der Lagunenstadt – eine Retrospektive der gefeierten britischen Malerin Jenny Saville.

Die Ausstellung lädt ein, den künstlerischen Werdegang einer der bedeutendsten Malerinnen unserer Zeit in seiner ganzen Tiefe zu erleben – von den radikalen Anfängen der 1990er Jahre, die die Kunstwelt aufgerüttelt haben, bis hin zu ihren jüngsten Werken, die zeigen: Jenny Saville hat nie aufgehört, die Grenzen der Malerei neu zu verhandeln.

Ausstellung und künstlerischer Fokus

Die Ausstellung zeigt rund 30 Gemälde und spannt einen Bogen von Savilles frühen Arbeiten aus den 1990er-Jahren bis hin zu Werken der jüngeren Vergangenheit. Mit dabei sind Schlüsselwerke wie Hyphen (1999), welches den Körper nicht abbildet, sondern befragt. Die raffinierte Darstellung des menschlichen Körpers in all seinen Facetten – Grenze zwischen Ich, Fleisch und Identität.
Sowie Reverse (2002–13), Elf Jahre Arbeit an einem einzigen Bild. Saville denkt Malerei als Prozess – nie abgeschlossen, immer im Werden. Ein Werk über Zeit, Körper und die Unbeständigkeit aller Formen.
Neuere Arbeiten reflektieren Einflüsse barocker Meister und führen den Dialog der zeitgenössischen Malerei mit der Kunstgeschichte Venedigs fort. Den krönenden Abschluss der Ausstellung bildet ein bisher ungesehener Werkzyklus, den Jenny Saville eigens für Venedig geschaffen hat – eine zutiefst persönliche Hommage an die Lagunenstadt, die zum ersten Mal öffentlich zu sehen ist. Werke, die nirgendwo sonst existieren.

Kuratorin und Ausstellungsort

Diese Ausstellung markiert Jenny Savilles Rückkehr nach Venedig, einer Stadt, die sie liebt, oft besucht hat und reich an Werken der alten venezianischen Meister ist, die sie viele Jahre studiert hat. Es ist eine große Ehre, Jenny Savilles Meisterwerke im Ca‘ Pesaro zu zeigen.

— Elisabetta Barisoni Kuratorin

Kuratiert wird die Ausstellung von Elisabetta Barisoni, Direktorin der Galleria Internazionale d’Arte Moderna Ca’ Pesaro. Venedig ist für Saville kein beliebiger Ausstellungsort. Es ist eine Stadt, die sie jahrelang studiert, immer wieder besucht, tief verinnerlicht hat. Ihre monumentalen Leinwände treten in Ca‘ Pesaro in einen Dialog mit dem künstlerischen Erbe der Stadt – kein höflicher Austausch, sondern eine Kollision voller Energie und Respekt.

Tizian, Tintoretto, Veronese – die venezianische Malschule als lebendiger Gesprächspartner, nicht als Museum. Saville hat die Meister nicht studiert, um sie zu zitieren – sondern um mit ihnen zu streiten.

Die Ausstellung befindet sich in einem barocken Palast direkt am Canal Grande und gehört zur Fondazione Musei Civici di Venezia. Ca’ Pesaro ist bekannt für seine umfangreiche Sammlung des 19. und 20. Jahrhunderts und ist ein bedeutender kultureller Ankerpunkt in Venedig.

Künstlerische Bedeutung und Ausstrahlung

Jenny Saville, 1970 in Cambridge geboren, an der Glasgow School of Art ausgebildet, ist eine der radikalsten und bedeutendsten Malerinnen unserer Zeit. Ihre figurativen Gemälde – monumental, kompromisslos, von einer fast unerträglichen Intensität – machen den menschlichen Körper zum Schlachtfeld gesellschaftlicher Debatten: Schönheit, Tabu, Identität, Verletzlichkeit, Macht.

Als Angehörige der Generation der Young British Artists belebte Saville in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren die figurative Malerei neu – nicht nostalgisch, sondern radikal gegenwärtig. Auf einer prägenden Reise nach Amerika begegnete sie den Werken von Willem de Kooning und Cy Twombly und erkannte: Die Sinnlichkeit der Ölfarbe ist keine Einschränkung, sondern eine Sprache.

Sie zählt zu den bedeutendsten Malerinnen Großbritanniens und ist für ihre kraftvollen figurativen Arbeiten bekannt, in denen sie Themen wie Körperlichkeit, Identität und die gesellschaftlichen Vorstellungen von Schönheit herausfordert. Ihre bisherige Retrospektive „The Anatomy of Painting“ lief 2025 in der National Portrait Gallery London und ist derzeit im Modern Art Museum Fort Worth zu sehen.

Saville selbst betont die besondere Bedeutung Venedigs für die Kunst, wobei die zeitgenössischen Biennale-Künstler in einen spannenden Dialog mit der reichen venezianischen Kunsttradition treten. Ihre Ausstellung am Ca’ Pesaro bietet eine einmalige Gelegenheit, ihr umfangreiches Oeuvre im historischen und kulturellen Kontext der Stadt zu erleben.

Bedeutung für die Kunstszene Venedig 2026

Die Ausstellung fällt bewusst mit der 61. Biennale Arte zusammen (9. Mai – 22. November 2026) und ergänzt das internationale Kunstgeschehen der Stadt auf das Wirkungsvollste. Während die Biennale die Welt einlädt, fragt Saville: Was bedeutet Körper heute? Was bedeutet Gesellschaft? Was bedeutet Malerei?

Savilles Präsentation ergänzt die Vielfalt der globalen Kunstszene und zeigt die Bedeutung von Körper und Gesellschaft in der heutigen Zeit. Ihre Werke fordern die BetrachterInnen heraus, sich mit dem eigenen Körperbild und gesellschaftlichen Erwartungen auseinanderzusetzen.

Auf den Punkt gebracht

Jenny Savilles erste Einzelausstellung in Venedig ist kein gewöhnlicher Museumsbesuch – sie ist ein körperliches Erlebnis. Im barocken Ca‘ Pesaro, direkt am Canal Grande, treffen monumentale Leinwände auf jahrhundertealte venezianische Malerei. Fleisch trifft Farbe. Gegenwart trifft Geschichte. Und der Besucher steht mittendrin.

Unser Tipp: Planen Sie genügend Zeit ein – und besuchen Sie die Ausstellung vor der Biennale, wenn Venedig noch atmet. Ca‘ Pesaro ist keine Station. Es ist ein Erlebnis, das nachwirkt.

Eine Ausstellung, die man nicht sehen sollte – sondern erleben muss.

Praktische Informationen