Homo Faber 2026: Künstlerin Es Devlins feiert mit „Island of Lights“ das Handwerk

Vom 1. bis 30. September 2026 wird die Fondazione Giorgio Cini auf der Insel San Giorgio Maggiore erneut zur Bühne für eines der weltweit bedeutendsten Ereignisse des zeitgenössischen Kunsthandwerks.

Für die vierte Ausgabe von Homo Faber konnte die Michelangelo Foundation die britische Künstlerin und Bühnenbildnerin Es Devlin als Artistic Director gewinnen. Unter dem Titel „An Island of Light“ sollen Hunderte MeisterInnen aus zahlreichen Ländern in fünfzehn Ausstellungsräumen die kreative Kraft des Handwerks sichtbar machen.

Handwerk als kulturelle Zukunftskraft

Seit 2018 hat sich Homo Faber als internationale Referenz für exzellentes Kunsthandwerk etabliert. Im Mittelpunkt stehen nicht Produkte oder Marken, sondern die Menschen hinter den Werken – HandwerkerInnen, Ateliers und kreative Talente, die traditionelle Techniken bewahren und zugleich neu interpretieren. Die historische Klosterinsel San Giorgio Maggiore mit ihren Palladio-Bauten, Kreuzgängen und Gärten bietet dafür einen ebenso außergewöhnlichen wie symbolischen Rahmen.

Es Devlins Vision einer Insel des Lichts

Es Devlin zählt zu den renommiertesten Installations- und Bühnenkünstlerinnen der Gegenwart. Bekannt wurde sie durch Projekte für die Olympischen Spiele in London, die Tate Modern, die Expo in Dubai und internationale Opern- und Musikproduktionen. Für Venedig entwickelt sie eine Ausstellung, in der Licht als verbindendes Element zwischen Natur, Material und menschlicher Kreativität wirken soll. Inspiriert von der Lagunenstadt wird San Giorgio zu einem Archipel handwerklicher Exzellenz, in dem Licht, Wasser und Spiegelungen Teil der Erzählung werden.

Fünfzehn immersive Erlebnisräume

Der Rundgang soll von der Atmosphäre einer Handwerkswerkstatt über Porträts der beteiligten Kunsthandwerker bis zu spektakulären Lichtinstallationen führen. Gezeigt werden Keramik, Glas, Holz, Metall, Textilien, Schmuck und zahlreiche weitere Disziplinen. Besonders wichtig ist dabei der Blick auf den Entstehungsprozess: In mehreren Bereichen werden Handwerker direkt vor Publikum arbeiten und ihre Techniken vermitteln. Homo Faber will nicht nur Objekte präsentieren, sondern die Kunst des Machens selbst erlebbar machen.

Venedig als Inspirationsquelle

Viele Installationen greifen die Natur und Architektur der Lagune auf. Vögel, Wasser, Spiegelungen, Lichtstimmungen und die Geometrie der historischen Klosteranlage werden zu Bestandteilen der Ausstellung. Dadurch entsteht ein enger Dialog zwischen den Arbeiten internationaler Kunsthandwerker und dem einzigartigen kulturellen Kontext Venedigs. So soll „An Infinite Birdsong“die nächtliche Atmosphäre der Stadt interpretieren. Handgefertigte Vögel und Insekten aus Porzellan, Glas, Metall und Papier werden in einer Spiegelarchitektur erscheinen, die venezianische Fensterformen und Lichtreflexe aufnimmt. Ergänzt wird die Installation durch außergewöhnliche Schmuckarbeiten internationaler Goldschmiede und renommierter Luxusmanufakturen.

Poesie von Cini und Lagune

Im Palladio-Kreuzgang wird A Great Turning die Architektur der Insel neu inszenieren. Wasserflächen und bewegliche Spiegel sollen die Proportionen des historischen Raumes verändern und die BesucherInnen für die wechselnden Lichtstimmungen des Tages sensibilisieren. Zu den poetischsten Projekten dürfte A Luminous Ark zählen. Die Installation wird Vogelarten der venezianischen Lagune zeigen, die nach Entwürfen von Es Devlin aus Papier gefertigt und wie schwebende Laternen beleuchtet werden sollen. Damit entsteht eine Hommage an die Natur der Lagune und an die fragile Schönheit eines Materials, das in den Händen großer Meister eine erstaunliche Ausdruckskraft entwickelt.

Handwerk zwischen Tradition und KI-Zukunft

Homo Faber 2026 versteht sich ausdrücklich nicht als nostalgischer Rückblick auf vergangene Techniken. Vielmehr soll die Ausstellung zeigen, welche Bedeutung handwerkliches Wissen im 21. Jahrhundert besitzt.

Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz und digitale Technologien viele Lebensbereiche verändern, rückt Homo Faber jene Fähigkeiten in den Vordergrund, die unmittelbar mit menschlicher Erfahrung verbunden sind: Materialverständnis, Kreativität, Präzision, Geduld und die Fähigkeit, Wissen über Generationen weiterzugeben. Wie Gianfelice Rocca, Präsident der Fondazione Giorgio Cini, betonte, stellt sich heute mehr denn je die Frage nach dem Verhältnis von Kunst, Industrie, Handwerk und künstlicher Intelligenz. Homo Faber will auf diese Frage keine theoretische, sondern eine sinnlich erfahrbare Antwort geben.

Diffuse Schau in ganz Venedig

Zusätzliche Workshops, Begegnungen mit Handwerkern, gastronomische Angebote sowie die Beteiligung von 90 internationalen Young Ambassadors sollen die Ausstellung zu einem lebendigen Forum für Austausch und Wissenstransfer machen. Parallel dazu wird Homo Faber auch in die Stadt hinauswirken: In der Casa Sanlorenzo nahe der Salute sind begleitende Ausstellungen geplant, während ausgewählte venezianische Werkstätten ihre Türen für BesucherInnen öffnen sollen.

artbeat.news Empfehlung: Unbedingt besuchen, früh buchen!

Wer während der Biennale-Saison 2026 nur eine einzige Veranstaltung zum Thema Handwerk besuchen möchte, sollte Homo Faber ganz oben auf seine Liste setzen. Kaum ein anderes Kulturereignis verbindet internationale Spitzenleistungen des Kunsthandwerks, innovative Ausstellungsgestaltung und die einzigartige Atmosphäre von San Giorgio Maggiore auf vergleichbare Weise. Die Zusammenarbeit zwischen Es Devlin, der Michelangelo Foundation und der Fondazione Giorgio Cini verspricht eine der spannendsten Kulturproduktionen des venezianischen Herbstes.

Praktisches für Ihren Besuch

Ausstellung Homo Faber in der Fondazione Cini auf der Insel San Gorgio Maggiore. Zu erreichen mit der Vaporetto-Linie 2. Für Ticketinhaber gibt es einen kostenlosen Shuttle-Bootsservice ab San Marco–San Zaccaria (Pier B1)

Öffnungszeiten: 1. bis 30. September 2026. Täglich geöffnet 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr

Tickets: Regulär: 16 €; Ermäßigt (u.a. Studenten, Senioren, Gruppen, Venezianer): 10 €; Kinder und Menschen mit Behinderung: kostenlos

Buchen Sie hier das Ticket: Homepage Homo Faber